TAUSCHEN IST CHIC

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In 41 Städten von Kiel bis München haben Greenpeace-Aktivisten zur Deutschlands größten Kleidertauschparty eingeladen. Die Kieler Ortsgruppe hat die Konsumwerkstatt in der alten Muthesius genutzt, um dem Fast Fashion den Rücken zu kehren und eine neue Ära des Konsums einzuleiten.

Und es war ein voller Erfolg! Viele Kieler haben das Angebot genutzt, ihre Kleiderschränke aussortiert und teils neuwertige, schräge sowie wunderschöne Kleidungsstücke zum Kleidertausch mitgebracht. Es wurden Kleidungsstücke bestaunt, anprobiert und ausgetauscht. Es ist ein schönes Gefühl, wenn ein altes Kleidungsstück einen neuen Besitzer zum Lächeln bringt und man die Möglichkeit hat, dieses zu beobachten.

Wir alle tragen täglich unsere Kleidung und erleben die unglaublichsten Geschichten mit ihnen. Manche Kleider erinnern uns an durchtanzte Nächte mit guten Freunden oder Hosen an gute Zeiten im Büro. Alle diese Geschichten hingen als kleine Zettel bei der Kleidertauschparty an den zu tauschenden Kleidungsstücken, um den individuellen Wert zu steigern.

„Kleidertauschpartys sind eine Antwort auf den ungebremsten Modekonsum. Sie befriedigen unsere Lust auf Neues, ohne die Gewässer zu vergiften oder gewaltige Müllberge zu produzieren“, sagt Luis Karcher von Greenpeace Kiel. Die Kleiderbranche läuft auf Hochtouren und vergiftet damit zunehmend die Gewässer: In China, dem Land mit der größten Textilproduktion, sind etwa zwei Drittel der Gewässer bereits mit umwelt- und gesundheitsschädlichen Chemikalien kontaminiert, vor allem aus der Textilindustrie.
Der Kleidungskonsum verdoppelt sich inzwischen alle zehn Jahre. Immer öfter kaufen wir immer billigere Kleidung – ein T-Shirt für 2,99 Euro oder eine Kinderjeans für 7,99 Euro ist keine Seltenheit mehr. Jeder Deutsche kauft im Schnitt 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr, Jugendliche sogar deutlich mehr. Entsprechend selten tragen wir die schnell erworbenen Stücke: Ein Party-Top wird im Schnitt 1,7 Mal getragen, bevor es ausrangiert wird. Und 40 Prozent unserer Kleidung sind Schrankhüter – wir tragen sie praktisch nie. Nach ihrer kurzen Lebensdauer landen drei von vier Kleidungsstücken im Müll, nur ein Viertel wird recycelt. „Statt im Müll zu landen, werden etwa 50.000 ausrangierte Kleidungsstücke den Besitzer wechseln. Das sind auch 50. 000 weniger neu gekaufte Teile – eine gute Nachricht für die Umwelt“, sagt Leonie Wykowski.

Mit der neuen Konsum-Kampagne will Greenpeace die Alternativen populärer machen: Gebraucht statt neu kaufen, reparieren statt wegwerfen, zertifizierte Mode statt billiger Massenware. Eine neue interaktive Karte zeigt, wo Secondhand-Läden, Repair-Cafés oder Eco-Fashion-Stores in der Nähe liegen. Jeder kann mitmachen – und „Greenpeace- Konsumbotschafter“ werden. „Denn jeder hält die Fäden in der Hand – und kann mit unkonventionellen Ideen Mode machen“, sagt Leonie Wykowski.
Mit der Detox-Kampagne hat Greenpeace bereits 15 Prozent der globalen Textilproduktion auf Entgiftungskurs gebracht. 31 internationale Modemarken und Discounter von Adidas über H&M bis zu Aldi haben sich verpflichtet, bis zum Jahr 2020 alle Risiko-Chemikalien aus ihrer Produktion zu entfernen.